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Bewältigung und Abwehr – Verarbeitung der Krankheit

Betroffene verarbeiten ihre Myelofibrose-Erkrankung individuell. Trotzdem kann man zwei typische Strategien unterschieden: Bewältigung (Coping) und Abwehr. Jede hat ihre Berechtigung, je nach momentaner Situation.

Jeder Mensch, der an Myelofibrose erkrankt ist, muss sich nach der Diagnose mit einem völlig veränderten Leben auseinander setzen – einerseits aufgrund der körperlichen Beschwerden, die durch den Tumor und die Behandlung entstehen, andererseits, weil die Erkrankung ein Gefühl der Lebensbedrohung auslöst.

Auch das Verhältnis zu den Mitmenschen verändert sich, sei es in der Familie, im Freundeskreis oder im Beruf. Die Anpassung an diese neue Situation, das Bemühen, körperliche und seelische Belastungen zu meistern oder zu verarbeiten, wird als Krankheitsverarbeitung bzw. Krankheitsbewältigung (Coping) bezeichnet.

Jeder Mensch hat seine persönlichen Strategien

Die Belastungen einer Krebserkrankung sind für jeden Menschen anders, deshalb gibt es auch kein Patentrezept für die Krankheitsverarbeitung. Die individuelle körperliche und seelische Belastung ist sowohl von der Art der Erkrankung und vom Stadium der Krebserkrankung als auch vom persönlichen Bewältigungsstil des Betroffenen abhängig. Zudem können bei ein und demselben Patienten in den verschiedenen Phasen des Krankheitsverlaufes unterschiedliche Strategien im Umgang mit der Krankheit sinnvoll sein.

Die vier Phasen der Krankheitsverarbeitung
Schrittweise Anpassung an die veränderte Lebenssituation

  • Schockphase:
    Nach der Diagnose zeigt sich Schockphase meist als Verleugnung und „Nicht-wahrhaben-wollen".
  • Reaktionsphase:
    Es folgt eine Phase, in der eine massive psychische Belastung vorherrscht (z. B. starke Ängste und Depression).
  • Reparationsphase:
    Die Reaktionsphase geht in die Reparationsphase über, in der die allmähliche Anpassung an die aktuelle Situation erfolgt.
  • Phase der Neuorientierung:
    Anzeichen einer erfolgreichen Krankheitsverarbeitung ist die Phase der Neuorientierung, die mit neuem Selbstverständnis und dem Annehmen der Lebensumstände einhergeht.

Diese Phasen können unterschiedlich lange anhalten. Verschiedene Anzeichen der einzelnen Phasen können sich abwechseln, wiederholen oder sogar parallel zueinander auftreten.

Strategien der Krankheitsbewältigung

Die Psychoonkologie beschreibt zwei grundsätzliche Bewältigungsstrategien:

  • bewusste Coping-Strategien
  • unbewusste Abwehrmechanismen

Beide Strategien wirken sich unterschiedlich auf den Umgang mit der Krankheit und damit auch auf die Lebensqualität aus.

Coping als bewusste Strategie

Coping (engl. to cope = mit etwas fertig werden) ist in der Regel ein bewusster Prozess, der auf die Bewältigung einer bestehenden oder zu erwartenden Belastungssituation abzielt. Coping kann mit einem „fighting-spirit“ – einer aktiven, kämpferischen Grundeinstellung – oder eher passiv erfolgen.

  • Aktives Coping:
    Wer aktiv mit seiner Krankheit umgeht, kann in der Regel zumindest seine Lebensqualität und allgemeine Funktionsfähigkeit günstig beeinflussen. Aktives Coping kann z. B. darin bestehen, nach Informationen und sozialer Unterstützung zu suchen oder sich durch Aktivitäten bewusst gegen anhaltende Grübeleien zu wappnen.
  • Passives Coping:
    Als eher ungünstig für die Krankheitsbewältigung werden eine ängstliche, resignative Grundhaltung oder Fatalismus bewertet. Vor allem können sich Hilf- und Hoffnungslosigkeit, sozialer Rückzug sowie die zwanghafte Beschäftigung mit der Krankheit negativ auf die Lebensqualität bzw. das psychische Befinden auswirken.

Abwehr als unbewusster Mechanismus

Bei der Abwehr bleiben bedrohliche Gefühle unbewusst, das heißt sie werden verleugnet, vermieden, verdrängt oder auch rationalisiert.

  • Verleugnung:
    Wer die Krankheit nicht wahrhaben will, sagt sich beispielweise: „Ich bin nicht krank, mir geht es gut, ich habe keine Angst."
  • Vermeidung:
    Manche Patienten vermeiden alles, was ihnen Angst machen könnte, möchten über ihre Krankheit nicht reden, vermeiden daran zu denken, oder weigern sich sogar zum Arzt zu gehen.
  • Verdrängung:
    Bei der Verdrängung werden unangenehme oder Angst machende Ereignisse oder Gefühle völlig aus dem Gedächtnis gestrichen. Das kann so weit gehen, dass ein Patient vergisst, dass der Arzt ihn über seine Krankheit aufgeklärt hat.
  • Regression:
    Patienten mit einem so genannten „Regressionsstil" ziehen sich auf frühkindliche Erlebens-, Verhaltens- und Wunschebenen zurück. Sie übergeben die Verantwortung vollkommen dem Arzt („er weiß, was für mich gut ist") oder Angehörigen („meine Frau entscheidet").
  • Rationalisierung:
    Es gibt auch Patienten, die unbewusst ihre Angst vor dem Krebs verschleiern und andere Gründe vorgeben wie z. B. „Ich fürchte mich nicht vor der Krankheit, sondern vor der Behandlung".

Die Abwehr als unbewusste Form der Bewältigung sorgt für kurzfristige Entlastung. Sie kann in bestimmten Phasen der Erkrankung durchaus sinnvoll sein, z. B. wenn die Ängste oder seelischen Belastungen sonst nicht zu ertragen wären.

Erfolgreiche Krankheitsverarbeitung hat viele Gesichter

Leider gibt es bisher keine eindeutigen Belege, dass eine erfolgreiche Krankheitsverarbeitung zugleich verbesserte Heilungsaussichten mit sich bringt. Auch durch eine aktive, kämpferische Grundhaltung oder „positives Denken" kann nach heutigem Wissensstand keine Heilung forciert werden. Allerdings trägt ein aktiver, positiver Umgang mit der Erkrankung zumindest dazu bei, die Lebensqualität zu verbessern.

Stand: 2017

Quellen:

  1. Faust, Volker. Psychoonkologe. Krebserkrankung und seelische Folgen aus wissenschaftlich kritischer Sicht, http://www.psychosoziale-gesundheit.net/pdf/Int.1-Psychoonkologie.pdf (zuletzt besucht am 10.03.2017)
  2. dkfz. Krebsinformationsdienst, http://www.krebsinformation.de/leben/krankheitsverarbeitung/bewaeltigung.php (zuletzt besucht am 10.03.2017)

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