VERSTÄNDNIS BRAUCHT EHRLICHKEIT

Probleme benennen – Lösungen erkennen!

Einige Angehörige von Krebspatienten neigen dazu, sich vollständig nach den Bedürfnissen des Erkrankten zu richten, ihm sprichwörtlich jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Allerdings kann dieses „Gut meinen“ auch zu Problemen und Missverständnissen führen. Nicht alle kranken Men- schen möchten sich die Verantwortung für ihr Leben komplett aus den Händen nehmen lassen – gerade zu Anfang.

Deshalb ist es grundsätzlich wichtig, die durch die Krankheit verursachten Probleme offen, ehrlich und vertrauensvoll anzusprechen. Nur wenn man Dinge konkret benennt, kann man gemeinsam eine Lösung ansteuern. Manche Probleme werden überhaupt erst durch ein Gespräch bewusst.

Umgekehrt können unklare oder unausgesprochene Erwartungen zu Spannungen oder Enttäuschungen führen.

Alles eine Frage der Einstellung – nur welcher?

Jeder Mensch hat seine eigene Strategie, um mit Schwierigkeiten umzugehen. Gerade eine dauerhafte Herausforderung wie die chronische Erkrankung Myelofibrose erfordert eine ganz grundsätzliche Einstellung, mit der man der Situation begegnet. Die Art und Weise, wie der Einzelne versucht, seine Situation zu bewältigen, wird auch als Coping bezeichnet.

Wenn Sie die persönliche Einstellung Ihres Angehörigen einordnen können, werden Sie auch sein Verhalten besser verstehen und können gezielter reagieren – sei es, indem Sie seine positiven Antriebskräfte verstärken oder ihn bei eher passiver Haltung motivieren.

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Mehr über das Coping erfahren Sie unter:

Coping – die persönliche Bewältigungs-Strategie

Den Erkrankten stärken – mit sicherem Wissen

Das Wissen über die Erkrankung hilft Ihnen, eigene Unsicherheiten abzubauen und mit realistischen Erwartungen an die Situation heranzugehen. Wenn Sie die möglichen Auswirkungen der Erkrankung kennen und einen Überblick über die konkreten Handlungsmöglichkeiten haben, können Sie Ihren Angehörigen mit entsprechenden Empfehlungen bei seinen Entscheidungen unterstützen und stärken. Es wird alles einfach leichter, wenn man weiß, worauf es ankommt.

Informieren Sie sich auf dieser Website über die Erkrankung und die Therapiemöglichkeiten – unter  Erkrankung und unter Therapie.

Was gute Gespräche brauchen

Bei der Kommunikation zählt nicht nur, dass überhaupt gesprochen wird, um die Bedürfnisse und Erwartungen zu klären oder gemeinsam die nächsten Schritte zu planen. Um ein gutes Gespräch zu führen, können Sie auch folgende Punkte berücksichtigen:

Die Gesprächsatmosphäre: Eine entspannte Umgebung, in der Sie sich beide wohlfühlen, erleichtert die offene Aussprache.

Der Zeitpunkt: Führen Sie wichtige Gespräche möglichst zeitnah – aber berücksichtigen Sie auch die Faktoren Belastung und Stress, die Ihr Gespräch nicht beeinträchtigen sollten!

Die Themen: Therapiemöglichkeiten, Symptome, Ängste, Erwartungen – greifen Sie ein ganz konkretes Thema auf, damit das Gespräch auch ein Ergebnis haben kann. Manchmal erleichtert es allerdings auch, überhaupt gesprochen zu haben.

Der Respekt: Versuchen Sie, gut zuzuhören – denn es geht darum, erst einmal die gegenseitigen Bedürfnisse besser zu verstehen und auch einmal eine andere Sichtweise zur Kenntnis zu nehmen. Wichtig auch: Äußern Sie Vorschläge und Ideen, statt Vorschriften zu machen.

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Coping – die persönliche Bewältigungs-Strategie

Coping (engl. to cope = mit etwas fertig werden) ist ein bewusster Prozess mit dem Ziel, eine bestehende oder zu erwartende belastende (Lebens-)Situation zu bewältigen. Coping umfasst alle Anstrengungen, die Ihr Angehöriger während des gesamten Krankheitsverlaufs unternimmt, um die Krankheit und ihre Folgen zu meistern.

Patienten können ihr Coping aktiv mit einer kämpferischen Grundeinstellung gestalten. Dies kann z. B. so aussehen, dass sie

  • von sich aus nach Informationen und sozialer Unterstützung suchen,
  • sich durch verschiedene Aktivitäten bewusst dagegen schützen, ständig über ihre Krankheit nachzudenken.

Wenn Ihr Angehöriger auf diese Weise aktiv mit seiner Krankheit umgeht, kann er seine

Lebensqualität günstig beeinflussen.

Es gibt auch Patienten, die sich bewusst passiv verhalten („passives Coping“). Sie ziehen sich

z. B. aus der Gemeinschaft zurück oder nehmen eine ängstliche oder fatalistische Grundhaltung ein. Diese Form des Copings wird sich eher ungünstig auf das seelische Befinden und damit auch die Lebensqualität auswirken.

Referenzen:

  1. Faust, Volker. Psychoonkologie. Krebserkrankung und seelische Folgen aus wissenschaftlich kritischer Sicht, www.psychosoziale-gesundheit.net/pdf/Int.1-Psychoonkologie.pdf (zuletzt besucht am 10.03.2017)
  2. dkfz Krebsinformationsdienst: Krankheitsverarbeitung. Verfügbar unter www.krebsinformation.de/leben/krankheitsverarbeitung/ bewaeltigung.php (zuletzt besucht am 26.06.2019)
  3. Artikel „Shared Experiences Are Amplified“ von Erica J. Boothby, Margaret S. Clark, John A. Bargh First Published October 1, 2014 Research Article. Verfügbar unter https://doi.org/10.1177/0956797614551162 (zuletzt besucht am 31.07.2019)
  4. Der Blaue Ratgeber der Krebshilfe. Verfügbar unter https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Hilfen-fuer- Angehoerige_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf (zuletzt besucht am 31.07.2019).
  5. Das Leitlinienprogramm der Psychoonkologie. Verfügbar unter https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/ Downloads/Patientenleitlinien/Patientenleitlinie_Psychoonkologie_1750017.pdf (zuletzt besucht am 31.07.2019).
  6. Der  Krebsinformationsdienst.  Verfügbar  unter  https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/krankheitsverarbeitung/angehoerige. php (zuletzt besucht am 31.07.2019